Nachdem mein letztes Schlosserlebnis, Schloss Mannheim, nun schon einige Weile zurücklag, war es mal wieder an der Zeit für einen Besuch in einer Baden-Württembergischen Residenz. 👸😁
Obwohl Heidelberg gar nicht so weit weg von Rastatt ist und ich sogar ein Jahr lang in Heidelberg studiert habe, muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich nie das Heidelberger Schloss besichtigt habe. Shame on me! 🙈
Aber das habe ich nun nachgeholt… 💪 Willkommen in Heidelberg! Heidelberg punktet nicht nur mit einer wunderschönen Altstadt, sondern beherbergt auch die älteste (seit 1386) Universität Deutschlands, die jedes Jahr über 30.000 Studierende aus aller Welt begrüßt. Zudem trägt die Stadt seit 2014 den Titel „UNESCO-Stadt der Literatur“, die sogar berühmte Dichter wie Goethe oder Eichendorff inspirierte.


Aber nun zurück zu meinem eigentlichen Ausflugsziel… das Heidelberger Schloss… das eigentlich, zu meiner späteren Überraschung, die Heidelberger Ruine genannt werden kann. 😅 Bevor ich diese jedoch besichtigen konnte, musste ich eine Sporteinheit absolvieren. Denn leider war die Bergbahn, eine Standseilbahn, mit der man gemütlich bis zum Schloss hochfahren kann, aufgrund von Wartungsarbeiten geschlossen. Deshalb war erstmal Laufen angesagt… und da die Residenz am Nordhang des Königsstuhls erbaut wurde, ging es bergauf.🚶♀️


Bevor die Schlossführung losging, hatte ich noch die Möglichkeit, das größte Weinfass der Welt zu bestaunen, das sich im Keller des Heidelberger Schlosses befindet. Es wurde 1751 gebaut, fasst ca. 219.000 Liter Wein 😯 und hat sogar eine eigene Tanzfläche auf der Oberseite. Damit die Hofgesellschaft nicht immer in den Keller laufen musste, gab es sogar eine installierte Weinleitung. Mit einer Pumpe konnte der Wein direkt aus dem riesigen Fass in den darüber liegenden Königssaal befördert werden – quasi das erste „Beer-Tapping-System“ der Geschichte, nur eben mit Wein. 🍷😄
Und das Große Fass darf nicht ohne Perkeo (unten links im Bild) erwähnt werden. Der gebürtige Südtiroler kam 1717 im Gefolge von Kurfürst Karl Philipp nach Heidelberg. Die Legende besagt, dass er seinen Herrn bei einem Wetttrinken unter den Tisch gesoffen hat und so seinen Job als Hofnarr und Fasswächter bekam. Seinen Namen verdankt er laut dem Dichter Viktor von Scheffel seiner Standardantwort auf jedes Angebot für einen Schluck Wein: ‚Perché no?‘ (Warum nicht?). Die Ironie seiner Geschichte: Nachdem er jahrzehntelang nur Wein getrunken haben soll, brachte ihn angeblich ein einziges Glas Wasser – das er aus Versehen trank – direkt ins Grab. 😅🙈

Die Geschichte des Heidelberger Schlosses begann im 13. Jahrhundert als wehrhafte Burg der Pfalzgrafen. Über die Jahrhunderte verwandelten die Kurfürsten die Festung in eine prunkvolle Residenz, die heute als eines der bedeutendsten Renaissance-Meisterwerke Deutschlands gilt.
Den Haupteingang zum Schlosshof bildet der Torturm. Mit seinen 52 m ist er der höchste Turm des Schlosses und „überlebte“ als Einziger den Sprengversuchen im pfälzischen Erbfolgekrieg.
Im Innenhof zeigt sich das Panorama des Renaissance-Trios: die drei (ehemals) prachtvollen Paläste des Schlosses, an denen man beobachten kann, wie sich der Baustil über die Jahrzehnte verändert hat:
Der Friedrichsbau (links, 1607) ist im Stil der „deutschen Renaissance“ gebaut, die wuchtiger wirkt und deutlich mehr in die Höhe strebt als die italienischen Bauten. Der Gläserne Saalbau (Mitte, ca. 1545) ist das älteste der drei Gebäude. Man sieht ihm an, dass die Baumeister damals noch mit dem neuen Stil aus Italien experimentierten – die Formen wirken noch ein wenig massiv und „plump“. Der Ottheinrichsbau (rechts, 1556), der elf Jahre später erbaut wurde, zeugt davon, dass man fleißig geübt hatte – denn dieser Bau ist ein echtes Meisterwerk und kommt der zarten, eleganten Formensprache des italienischen Vorbilds von allen Gebäuden am nächsten.



Doch die glanzvollen Zeiten endeten im 17. Jahrhundert als die Pfalz zum Schauplatz schwerer Kriege wurde. Französische Truppen sprengten die massiven Mauern gleich mehrfach, bis die Kurfürsten im 18. Jahrhundert schließlich aufgaben und ihren Hofstaat ins moderne Mannheim verlegten. Ein verheerendes Feuer nach zwei Blitzeinschlägen im Jahr 1764 besiegelte das Schicksal des Schlosses endgültig und verwandelte den einstigen Stolz der Pfalz in die jetzige Ruine.
Ein Highlight ist der sogenannte „Gesprengte Turm“, auch „Krautturm“ genannt (als „Kraut“ bezeichnete man früher das Schießpulver). Bei der Sprengung durch die Franzosen 1689 war das Mauerwerk so massiv, dass der Turm nicht in sich zusammenfiel, sondern ein riesiges, kompaktes Stück der Mauer einfach als Ganzes in den Graben rutschte. Dort liegt es heute noch und zeigt, wie dick diese Mauern damals waren.




Jedoch wurden einige Räumlichkeiten im Ottheinrichs- und Friedrichsbau renoviert und diese können im Rahmen der Schlossführung besichtigt werden, darunter auch der bereits erwähnte Königssaal (mit der einstigen Weinleitung). Der Königssaal wurde ursprünglich von Ludwig V. als prächtiger Festsaal errichtet. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1689, in dem er komplett zerstört wurde, diente er vor allem wirtschaftlichen Zwecken. Unter anderem wurde hier ein Teil des Großen Fasses zusammengebaut. Das heutige Erscheinungsbild des Saals stammt aus dem 20. Jhd. Im Jahr 1934 ließen die Nationalsozialisten den Raum renovieren, um ihn für ihre Propaganda-Zwecke wieder als repräsentativen Festsaal zu nutzen. Heutzutage kann für diverse Veranstaltungen, vornehmlich Hochzeiten, gebucht werden (Bild 6).
Im zweiten Bild sieht man ein Spukbecken. Bei festlichen Anlässen wurden damals drei bis fünf Hauptgänge serviert. Einen „Gang“ darf man sich jedoch nicht wie heute als einen einzelnen Teller vorstellen. Pro Gang wurden oft zehn bis zwanzig verschiedene Gerichte gleichzeitig auf den Tisch gestellt (der sogenannte Service à la française). Ein typisches Festmenü umfasste somit insgesamt oft zwischen 30 und 100 Einzelspeisen 😐, von kräftigen Wildgerichten und Pasteten bis hin zu aufwendigen Zuckerbauten als Dessert. Dazu wurde reichlich Wein gereicht – oft wurde nach jedem Gang ein offizieller Trinkspruch ausgebracht. Die Gäste haben bei diesen riesigen Mengen natürlich nicht alles gegessen. Es ging darum, aus der Fülle zu wählen – und zu zeigen, dass der Kurfürst es sich leisten konnte, so viel Essen (und Wein!) aufzutischen. Und wenn mal doch jemand alles probieren wollte, gab es das Spukbecken. 🤮






Zum Ende der Führung besuchten wir noch die Schlosskapelle im Friedrichsbau. Sie wurde Anfang des 17. Jhd. unter Kurfürst Friedrich IV. fertiggestellt. Ursprünglich als protestantisches Gotteshaus geplant, wurde sie nach der Rückkehr zum Katholizismus umgestaltet. Friedrich IV, der Regent der Kurpfalz von 1592 bis 1610, ist der Namensgeber des Friedrichbaus von 1607. Er war dem Wein sichtlich nicht abgetan. In seinem Tagebuch findet sich auffallend oft das ehrliche Geständnis ‚bin scheins wieder voll gewest‘.

Dass das Schloss heute noch steht und nicht als kostenloser Steinbruch für die Heidelberger Bürger endete, verdanken wir dem französischen Grafen Charles de Graimberg. Er zog im 19. Jahrhundert eigenmächtig ins Schloss ein, stoppte den Abriss und begann, die Ruine zu dokumentieren und zu schützen. 🥳
Bevor ich mich wieder auf den Weg zum Hauptbahnhof gemacht habe, denn ich musste meinen ICE zurück nach Köln erwischen 🚝, habe ich (zum Glück) noch einen kurzen Abstecher in den Schlossgarten gemacht und wurde mit einer atemberaubenden Aussicht auf die Stadt und das Schloss belohnt. 🤩


Mein Fazit
Mir hat der Ausflug zum Heidelberger Schloss richtig gut gefallen. 😊 Besonders der Mix aus zerstörten Mauern und renovierten, prunkvollen Räumen sowie das gigantische Weinfass haben mich echt beeindruckt. Wenn Du mal in Heidelberg bist, musst Du Dir das Schloss unbedingt anschauen! Ein Besuch, der sich echt lohnt!
Warst Du schon in Heidelberg? Wie hat Dir das Schloss gefallen? Lass es mich gerne wissen.
Deine Alexandra 😊
Informationen zur Führung:
- Webseite Schloss Heidelberg
- Wann: die Klassische Schlossführung findet jeden Tag stündlich statt
- Eintritt: 11 € kostet das Schlossticket, zuzüglich 6 € für eine Führung, für Erwachsene; keine Voranmeldung nötig
Informiere Dich vorab am besten nochmal auf der Webseite oder direkt telefonisch bevor Du hingehst, falls sich etwas geändert haben sollte.
Hier geht’s zu meinen anderen Schlossbesichtigungen: 👸

