Führung Regierungsbunker Bad Neuenahr

Wie Du vielleicht auf meinem Blog schon bemerkt hast, faszinieren mich nicht nur Kirchen und Schlösser/Burgen, sondern auch Bunker (egal, ob ober- oder unterirdisch)! 😅 Deswegen habe ich heute mit meinen Freunden einen Ausflug ins Ahrtal gemacht, denn dort steht nicht nur einer der bekanntesten Bunker Deutschlands, sondern auch das teuerste (ca. 4,7 Milliarden DM (ca. 2,44 Milliarden Euro) 🤑) und geheimste Einzelbauprojekt der Bundesrepublik – der Regierungsbunker.

Mitten im Kalten Krieg suchte die Bonner Regierung nach einem abhör- und atombombensicheren Zufluchtsort im Falle eines Dritten Weltkriegs. Die Wahl fiel auf zwei Tunnel der nie fertiggestellten Eisenbahnstrecke Ruhr-Mosel-Entlastungslinie, nur rund 25 Kilometer von der damaligen Bundeshauptstadt Bonn entfernt.

Zwischen 1960 und 1971 entstand hier unter strengster Geheimhaltung ein gigantisches Höhlensystem: Ein 17,3 km hohes Netz aus Röhren und Stollen, tief in den Fels des Ahrtals getrieben. Dieser sollte im Ernstfall einer sogenannten Notverwaltung des Bundes mit insgesamt 3.000 Mitarbeitenden ein Ausharren von mindestens 30 Tagen ermöglichen. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde die Anlage aus Kostengründen Ende der 1990er Jahre weitgehend zurück gebaut.

Ein 203 m langes Teilstück blieb dabei als Museum erhalten, das man seit 2008 besichtigen kann.

Die Anlage war darauf ausgelegt, selbst einem Angriff mit Atomwaffen standzuhalten, und konnte sich dank eigener Versorgung mit Strom, Frischluft und Trinkwasser weitgehend autark erhalten. Im Vergleich zu klassischen militärischen Bunkern oder Festungsanlagen war der Komplex jedoch völlig unbewaffnet – den Schutz im Ernstfall sollten außerhalb stationierte Bundeswehrtruppen in feldmäßigen Stellungen übernehmen.

Schon am Eingang bekommt man einen Eindruck von den enormen Sicherheitsvorkehrungen: Um in den Bunker zu gelangen, passiert man tonnenschwere MAN-Panzertüren und Rollvorrichtungen (bis zu 25 t schwer), die selbst dem Druck einer Atombombenexplosion standhalten sollten.

Während der 90-minütigen Führung passiert man Dekontaminationsanlagen, besichtigt verschiedene Räumlichkeiten, die u. A. die Kommunikations– sowie Türsteuerungszentrale beherbergen und kann sogar das Schlafzimmer des Bundeskanzlers begutachten.

Alle zwei Jahre wurde es im Bunker im Rahmen der NATO-Übung WINTEX richtig ernst: Das Personal probte den Ernstfall und arbeitete dabei bis zu 30 Tage vollkommen von der Außenwelt abgeschlossen. Vor Ort wurde der gesamte Staatsbetrieb simuliert – inklusive eines 22-köpfigen Notparlaments sowie Darstellern für den Bundeskanzler (Bundeskanzler-Üb) und den Bundespräsidenten. 🤓

Für den dauerhaften Betrieb, die Wartung und die Instandhaltung waren rund 180 Mitarbeitende rund um die Uhr im Dreischichtbetrieb im Einsatz. Aus Gründen der Geheimhaltung rekrutierte man das Personal ausschließlich aus der Region und verpflichtete alle Angestellten sowie Beamten zu absoluter Verschwiegenheit.

Die Führung durch den Regierungsbunker ist ein absolutes MUSS für alle, die sich für Geschichte, Politik und den Kalten Krieg interessieren. Es ist ein beklemmendes Gefühl, durch die endlosen Betongänge zu laufen und zu realisieren, wie konkret die Angst vor einem Atomkrieg damals war. Ein wirklich eindrucksvoller und lehrreicher Ausflug direkt vor den Toren Kölns! 🤩

Warst Du schon einmal in einem Bunker oder hast Du den Regierungsbunker auch schon besucht? Wie hat es Dir gefallen? Lass es mich gerne wissen.

Deine Alexandra 😊

Informationen zur Führung:

  • Webseite Regierungsbunker Ahrtal
  • Wann: Führungen finden April-Oktober: Mittwoch, Samstag, Sonntag, Feiertage; November-März: Samstag & Sonntag zu unterschiedlichen Zeiten statt
  • Eintritt: 15 € für Erwachsene

Informiere Dich vorab am besten nochmal auf der Webseite oder direkt telefonisch bevor Du hingehst, falls sich etwas geändert haben sollte. 

Tipp: Auch, wenn es draußen schön warm ist, nimm Dir eine kuschlige Jacke mit, denn im Bunker ist es verdammt kalt. Ich war nach unserer Führung krank. 🥶😣

Hier geht’s zu meinen anderen Bunkererlebnissen: 😁

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